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Weniger bekannt als diese Wort - Ikone ist, daß McLuhan in seiner "Theorie der Medien" auch eine Geschichtstheorie entworfen hat, die in ihrer vierwertigen Dialektik vielleicht ein reicheres Verstehen unserer Welt erlaubt als die dreiwertige Fortschrittsideologie des historischen Materialismus.

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Bei McLuhan entspringen wie bei den Geschichtsdialektikern historische Änderungen und Umschläge dem Umstand, daß eine historische Epoche mit ihren Charakteristika selber die Welt so lange verändert, bis aus dem einstmals revolutionärem Prinzip selbst der Umschlag in etwas Neues erfolgt.

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Quer zu diesem Ausdehnungs- und Umschlagprozeß liegt aber eine Dialektik von Verdrängung und Aktualisierung. Immer wieder läßt ein historischer Fortschritt einerseits viele Qualitäten in Vergessenheit geraten, andererseits werden ebensoviele Dinge wieder auf die Tagesordnung gesetzt, die in der vergangenen Epoche verdrängt worden waren.

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Diese "Tetrade" benutzt McLuhan als Grundmuster zur Konstruktion seiner Theorie der Medien, aber immer wieder wird sie ihm spielerisch zur Weltformel.

Unsere historische Epoche, die sich nun vielleicht einem Ende zuneigt, hat vielleicht formell mit dem Westfälischen Frieden von 1648 begonnen, die den modernen Territorialstaat und die Souveränität begründete.

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Am Anfang dieser Epoche, gut 200 Jahre früher, standen revolutionäre Neuerungen in der Kriegstechnik, das Schießpulver und die stehenden Armeen. Zur selben Zeit schrieben die großen Utopisten ihre Visionen.

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Der Wettlauf in der Kriegstechnik führte zu den großen staatlichen Gebilden, zum stehenden Heer, zum Bedarf an Finanzen, zum Kampf um den Reichtum der Nationen und um die Aufteilung der Welt.

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Die Einführung des Kapitalismus war eine "Revolution von oben", an die Stelle der alten Naturalabgaben trat die monetäre Besteuerung. Die Menschen wurden gezwungen, "Geld zu verdienen", um ihre Steuern an den Staat bezahlen zu können.

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Städte und große Industrien sind das Resultat dieses Prozesses, in dem zunehmend die ganze Welt in einen Markt verwandelt wurde. War bis dahin Produktion vorwiegend handwerklich und dezentral, lagen Produktion und Konsum nahe beieinander, waren die Menschen in großen Familienverbänden und buntscheckigen lokalen Gemeinschaften organisiert, so wurden sie nun in Systeme der Massenproduktion integriert.

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Standardisierung, Spezialisierung, Synchronisation und Hierarchie waren die Begleiterscheinungen. Die großen Bewegungen der Moderne wetteiferten darin; und scheinbare Opponenten wie Faschismus und Realsozialismus waren Nachzügler, die in nationalen Kraftanstrengungen die Resultate der Staatenkonkurrenz zu korrigieren trachteten.

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Ich erzähle ihnen das alles, um sie darauf aufmerksam zu machen wie kurz eigentlich die Geschichte unserer Epoche ist. In ihrem Verlauf hat sie die Welt gründlich verändert, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten und Stadtregionen, das ist auf nur 2% der verfügbaren Landfläche.

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Immer schärfer wird der Wettbewerb zwischen den Produzenten, den sie nur durch Vergrößerung ihrer Absatzmärkte bestehen können - ein prekäres Karussell, das sich immer schneller dreht und das auf der einen Seite zu immer kapitalintensiveren Zentren, auf der anderen Seite zu enormen Problemen für die "Peripherien" führt.

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Denn die Anforderungen an die Industriestandorte, die globale Märkte bedienen sollen, werden immer höher. Um konkurrenzfähig und kostengünstig produzieren zu können, ist nicht nur eine lokale "Wissensbasis" für die beständige Innovation der Produktion erforderlich, sondern auch ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedenster wirtschaftlicher Dienstleistungen, die natürlich "just in time" verfügbar sein müssen - von den Arbeitskräften bis zu den Zulieferen.

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Als Konsequenz dieser "Globalisierung" ensteht ein zunehmendes demographisches und ökonomisches Ungleichgewicht. Die existierenden Metropolen und Megazentren ziehen immer mehr wirtschaftliche Aktivitäten an sich, ihre Wirtschaftskraft wächst beständig - wobei diese freilich zu einem großen Teil durch die steigenden Anforderungen an ihre Konkurrenzfähigkeit aufgezehrt wird.

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Auf der anderen Seite stehen veritable Verliererregionen, deren Wirtschaftskraft relativ oder absolut sinkt.

Es scheint eine absolute Schranke unseres Wirtschaftssystems zu geben, die trotz enormer Steigerung der Reichtumsproduktion ein immer größeres Gefälle zwischen arm und reich produziert, die Menschen der Quellen ihres Erwerbes beraubt und letztlich den Funktionsmechanismus des Marktes selbst außer Kraft setzt.

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Empirisch nachgewiesen wurde das Sinken des Indikators für nachhaltige ökonomische Wohlfahrt ISEW in allen Industrieländern seit dem Ende der achtziger Jahre.

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Es ist weniger bekannt, daß Norbert Wiener (1894 - 1964), der Vater und bedeutendste Vertreter der Kybernetik, diesen Mechanismus schon bald nach dem Ende des 2. Weltkrieges voraussah.

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Als Henry Ford seinerzeit mit dem Fließband und der systematischen Verdichtung des Produktionsprozesses die Möglichkeiten der Elektrizität in die zweite industrielle Revolution umsetzte, war dies der eigentliche Auftakt der modernen Massenbeschäftigung, wenngleich auch unterbrochen durch die Weltwirtschaftskrise.

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Niemand machte sich ernsthaft die Sorge, daß durch all die Rationalisierung die menschliche Arbeitskraft aus der Produktion verdrängt werden könnte, gab es doch ständig neu entstehende Sparten der Produktion.

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Wiener hingegen schrieb schon 1947, daß die Fortsetzung der industriellen Revolution in völlig andere Richtungen verlaufen würde:

"Die automatische Fabrik und das Fließband ohne menschliche Bedienung sind nur so weit von uns entfernt, wie unser Wille fehlt, ein ebenso großes Maß von Anstrengung in ihre Konstruktion zu setzen wie z.B. in die Entwicklung der Radartechnik." (Kybernetik, p.59)

Wiener sah in dieser Revolution, die durch Elektronik und Informationswissenschaften vorangetrieben wurde, keineswegs nur eine positive Perspektive, vielmehr eine "Entwertung des menschlichen Gehirnes" mit schwerwiegenden Konsequenzen auf die Lebenslage der Bevölkerung.