Vision of the Global Villages
In Wahrheit haben wir es schon längst mit einer über den Planeten verteilten globalen Metropole zu tun. Diese Wahrheit wird für die Utopie der globalen Dörfer von fundamentaler Bedeutung sein.
* Die steigende Größe der Städte hat es mit sich gebracht, daß der Zugriff auf natürliche Ressourcen nichts selbstverständliches mehr ist. Auch in den Städten ist ökologisches Bewußtsein eingekehrt, sind Technologien des Recycling, der Wiederaufbereitung entwickelt worden.
Kreislaufwirtschaft bedarf technologischer Anstrengungen, um "missing links" zu überbrücken. Diese Anstrengungen lohnen sich aber fast unendlich, denn sie zeigen beständig die Möglichkeit an, mehr mit weniger zu tun und vorhandene Ressourcen nicht zu erschöpfen.
Diese Ökologisierung der Technologie erweitert aber nicht nur die Möglichkeiten für die Städte. Neue Techniken der Gewinnung von Energie aus Biomasse und Solarstrom schaffen neue Bedingungen für das Leben in ländlichen Räumen.
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Aufgrund dieser gewandelten technischen Bedingungen ändert sich auch unsere Wahrnehmung: Vor Ort gewonnene Energie - umweltfreundlich und Abfall vermeidend wie Biomasse, Wind, Sonne - ist in einem riesigen Ausmaß vorhanden, falls wir diese Energie nicht für den Transport vergeuden.
Jeden Tag liefert die Sonne Energie im Umfang von 50% des weltweiten Vorrates an fossilen Brennstoffen, wächst enorme Biomasse nach. Zugleich wächst unser Verständnis dafür, daß Naturprozesse enorm komplexe Kreislaufprozesse sind.
Permakultur und biologischer Landbau erzielen ein breiteres Spektrum an stofflichen Umsätzen und bringen vielfältigere Rohstoffe und Elemente in die lokale Nutzung ein als jede herkömmliche Form der Agrikultur.
Das Land und sein neuer potentieller Reichtum beginnt zu locken. Nicht in Gegensatz, sondern in Harmonie mit den gestiegenen technischen Möglichkeiten!
* Die Teilhabe am Reichtum menschlicher Information und Kultur, einst das gewichtigste Privileg der Stadt, wird durch die digitalen Netzwerke ebenfalls revolutioniert.
Die neue Existenzform von Information ist an keinen materiellen Träger mehr gebunden. Kopien enthalten die totale Informationsqualität des Originals und sind doch veränderbar; aus jeder Kopie kann somit wieder ein Original werden, überall.
Nicht nur die Universität kann in jedem Dorf sein, auch das Labor, die Werkstatt, das Atelier. Menschliches Lernen ist zur Quelle von Innovation geworden.
McLuhan hat dies prophetisch vorausgesehen: Die Menschen werden plötzlich nomadische Informationssammler, und zwar so nomadisch wie noch nie, informiert wie noch nie, frei von hemmender Spezialisierung wie noch nie- aber auch wie noch nie in den ganzen Gesellschaftsprozeß einbezogen, da wir ja mit Elektrizität unser Zentralnervensystem weltumspannend erweitert haben und jede menschliche Erfahrung sinnvoll einordnen müssen.
Sinnvolle Einordnung aber setzt wiederum den Bezug auf einen integrierenden Lebensraum voraus.
* Freilich kann genau dieser Lebensraum jetzt in nie gekannter Weise zum Gegenstand der Bearbeitung werden: die in Lichtgeschwindigkeit gewonnene Information muß allerdings in einem viel langsameren Prozeß auf ihre sinnvollen Bezüge zum Ganzen des Lebensraums geprüft und zumeist modifiziert und angepaßt werden.
Information ist im Medium von sinnvoll auszuführenden mikrologischen Steuerungsbefehlen kodiert und kann bei Vorliegen geeigneter Maschinerie unmittelbar materiell manifestiert werden; das gilt schon für jeden Computerdrucker.
Aber eine einfache Zuschneidemaschine, Brotbackmaschine, Webmaschine etc. kann diese komplexe Interaktion mit Material und Form auch inkorporieren.
Freilich bedarf es dazu auch eines gestiegenen Wissens der Benutzers und der Programmierers, das nur in einer intensivierten Kommunikation zu gewinnen ist. Das Land beginnt schon wieder noch mehr zu locken, denn es liefert das materielle Substrat vieler Arbeitsprozesse, die in der Dichte der Stadt keinen Sinn machen.
* Eine dritte Eigenschaft der digitalen Information: sie ist telekommunizierbar, sie ist teleologischer Arbeitsgegenstand einer theoretisch unbegrenzten Anzahl von sie verfeinernden, modifizierenden, differenzierenden, systematisierenden Individuen und Gruppen, die ihre Arbeit an der Arbeit und ihren Zielen (Selbstentfaltung) unmittelbar vergesellschaften und zugleich dadurch von gesellschaftlichen Normen auch abweichen können.
Der Modellfall GNU/Linux hat eindringlich gezeigt, daß weltweit zehntausende von Entwicklern an ein und demselben Universalwerkzeug arbeiten können. Die globale Metropole ist so an jedem Ort verfügbar, an dem ein zufriedenstellender Zugang zu den Informationsnetzen realisiert ist.
* Information ist auch multimedial, das heißt das digitale Medium hebt die Beschränkungen jeder Beschreibungsform angesichts einer komplexen Wirklichkeit tendenziell auf.
Die Form der Erklärung von Vorgängen kann wechseln zwischen Wort, Bild, Ton, Simulation, Film: eine ungeheure Erleichterung des Lernens gerade angesichts des oben festgehaltenen gesteigerten Wissensbedarfes.
Die Umrisse einer Utopie sind alleine in diesen technischen Innovationen, die aber nur einen Bruchteil der Bausteine von Syntopia ausmachen, sichtbar: die syntopische Vision der Globalen Dörfer ist die Vision eines neuen Miteinanders von Stadt und Land, von Zentrum und Peripherie, aufbauend auf raumübergreifender Telekommunikation, wissensintensiven Technologien und ökologisch tragfähigem lokalem Ressourceneinsatz.
Konkret geht es um das umfassende Design neuer Lebensräume, die urbane Errungenschaften mit ländlicher Lebensqualität vereinen, sich im wirtschaftlichen Geschehen nur dort betätigen, wo es Sinn macht und einen hohen Grad an kollektiver Selbstversorgung wiederherstellen: bei gleichzeitiger hochgradiger Informationsvernetzung und technisch- wissenschaftlicher Kooperation.