Vision of the Global Villages
Diese Lebensform einer "globalen Subsistenz" findet ihren Ausdruck in stetig wachsenden subsidiären Netzwerken und in einer Dominanz der zivilen Gesellschaft und ihrer Institutionen.
Sie erzeugt sogar heute undenkbare Verschiedenheit der Lebensweisen, dennoch typische Muster und Standards.
Auf dieser Grundlage möchte ich versuchen, eine Utopie zu wagen, und freue mich über jeden, der dieser Gestaltung ein Element hinzufügt.
Es ist auch eigentlich nicht "meine Utopie", sondern das ekklektische Resultat des Zusammentragens mehrerer Phantasiebausteine, die ich für essentielle Elemente einer syntopischen Realität halte.
Schauen wir uns also solch ein "globales Dorf" konkret an, machen wir einen Besuch in der Zukunft.
4. Ein Besuch im Globalen Dorf
4.1. die Vogelperspektive und die Piazza Telematica
Wir beginnen unsere Annäherung aus der Vogelperspektive, aus der Perspektive der Architektur und der Landschaft.
Ich habe ein paar Bilder aus der Zukunft mitgebracht.
Der Urheber einer ersten, großen Vogelperspektive heißt Joseph Smyth und er hat ein "vorher" und ein "nachher" gezeichnet, anhand des drastischsten Falls der Veränderung zum heutigen Status Quo.
Es handelt sich um eine Satellitenaufnahme der Auto-Stadt Los Angeles aus dem Jahre 1990 und eine der Autonomen Stadtregion Los Angeles aus dem Jahr 2050. Aus der Satellitenperspektive fällt auf, daß der Grad der Versiegelung von Bodenflächen in Smyths Vision wieder umgekehrt wird.
Parkplätze, Autostraßen, Einkaufszentren, wie sie die bis zum Himmel dominierend die Grundfläche der amerikanischen Autostadt charakterisieren, sind drastisch zurückgegangen: Die dominierende graubraune Stadtfarbe ist zugunsten eines Wiesengrüns und der Erkennbarkeit renaturalisierter Flußläufe zurückgedrängt.
Der menschliche Siedlungsraum scheint weniger in die breite Fläche auszuwuchern, sondern er bildet Verdichtungen. Es scheint einen Grundsatz zu bilden, den Raum einer Siedlung nicht weiter auszudehnen als ein Mensch in wenigen Minuten zu Fuß bewältigen kann.
Zwischen den Siedlungen, an ihren Rändern, aber auch durch sie hindurch verlaufen grüne Korridore.
Sehen wir näher hin, betrachten wir einen solchen Siedlungskern.
In diesem klassischen Entwurf von Richard Rogers und Partnern für die Bitstadt in Mallorca sehen wir drei zusammengehörige globale Dörfer, die an einer Achse des öffentlichen Verkehrs gelegen sind.
Zusammengenommen ergeben die drei urbanen Dörfer schon fast eine kleine Stadt, und doch ist jedes von ihnen eine kompakte Einheit, ein diversifizierter Lebensraum mit einer Mischung aus urbanen, suburbanen und ländlichen Elementen.
Die Funktionen und sozialen Aktivitäten gehen graduell ineinander über. Ein öffentlicher, lebendiger, aktiver und diversifizierter Mix im Zentrum verläuft ringsumher in ein suburbanes Wohngebiet und verliert sich letztlich in ruhige Garten- und Parklandschaft, landwirtschaftliche und natürliche Zonen.
Ein Globales Dorf ist offensichtlich ein vollwertiger Lebensraum, der die drei essentiellen Sphären unseres Lebens (Urban, Suburban, Rural) auf kleinstem Raum lokal zusammenschließt.
Gehen wir ins Zentrum der Bitstadt.
Eine Piazza mit einem Teich, umgeben von mehrstöckigen Gebäuden, mit Cafés, Ateliers, Galerien, Hallen, Konferenzsälen und Büros. Ein verdichteter urbaner Raum, in dem sich viele Menschen aufhalten, wie im Zentrum einer mediterranen Kleinstadt oder eines griechischen Dorfes.
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Architektonische Maßnahmen sorgen hier für eine gleichmäßig milde Klimatisierung und für große Variabilität, ohne daß wir uns an die Sterilität eines shopping centers erinnert fühlen müssen.
Eher ist diese Piazza eine große Bühne, auf der auch ständig wechselnde Stücke aufgeführt werden können. Wenn wir genauer hinschauen, dann sehen wir, daß dieser Raum der Präsenz und der Kommunikation sich dennoch in einem kleinen Detail von der Beschaulichkeit eines italienischen oder griechischen Stadt- oder Dorfplatzes platzes unterscheidet: die Präsenz ist vermischt mit Telepräsenz, wo zwei oder drei oder viele lokale Bewohner versammelt sind, ist nicht zu selten auch ein Gast oder eine Verbindung zu Versammlungen über virtuelle Präsenz zugegen.
Das Dorf ist verbunden, verbunden auf vielerlei Art und Weise mit der globalen Metropole. Rings im Kreise tragen die Gebäude verschiedene Namen, haben verschiedene Funktionen, die sich auch in ihren Namen ausdrücken wie: Haus der Werkzeuge, Haus des Wissens, Haus der Gesundheit, Haus der Schönheit.
Es gibt auch ein Rathaus, aber es heißt Haus der Beratung.
Globale und lokale Interaktion sind offensichtlich in vielerlei Formen verbunden: Die Bewohner der Bitstadt kommen physisch zusammen, weil und insoferne es auch ständig etwas Neues zu erfahren und zu erleben gibt.
Von der Langeweile eines typischen dörflichen Tages ist keine Spur: Im Haus des Wissens ist heute besonderer Andrang, man nimmt Teil an einem Glasperlenspiel. So heißen, in Anklang an ein Buch von Hermann Hesse, die nach strengen Regeln ablaufenden multimedialen Disputationen führender Forscher und Experten, die sich einem weltweiten Millionenpublikum stellend die Kontroversen ihrer Theorien öffentlich austragen.
Ganze Parteien, Gruppen, Stäbe arbeiten für diese Spiele, bei denen es keineswegs so harmonisch zugeht wie in Hesses Kastalien. Alles, was wir wissen, generiert ständig offene Fragen, ist der Leitspruch.
Die vielfältigen Darstellungs- und Veranschaulichungsmöglichkeiten, die im Zeitalter des Marketing entwickelt worden waren, dienen nun dem Verständnis und Nachvollzug der hochkomplexen und schwierigen Theorien.
Das Glasperlenspiel ist wie eine Schachweltmeisterschaft, wo Amateure und Semiprofis gleichermaßen begeistert mitmachen. Wissenschaftliche Ligen kümmern sich monatelang um die Einarbeitung in die komplizierte Materie.
Es geht nicht unbedingt darum, sich von der Beteiligung der Menschen Aufschluß und Lösungen zu erwarten, sondern um das Gefühl, an einem Werk der kollektiven Intelligenz beteiligt zu sein.